NPD Parteichef auf Irrwegen

Am Freitag den 25. Juni 2010 sollte eine Vortragsveranstaltung mit Udo Voigt, dem Bundesvorsitzenden der NPD, in dem Nazizentrum in Leipzig-Lindenau stattfinden. Während eine Spontankundgebung von Antifaschisten die nahegelegene Kreuzung Lützenerstraße Ecke Odermannstraße belegte und kritisch auf die Veranstaltung aufmerksam machte, irrte Udo Voigt quer durch Lindenau und die Veranstaltung konnte nicht wie geplant stattfinden.

Einen Artikel aus Sicht eines antifaschistischen Aktivisten findet ihr auf dem Informationsportal Indymedia.
Anbei dokumentieren wir einen Artikel der Leipziger Internetzeitung zu den Geschehnissen:

Lost in Lindenau: NPD-Parteichef Udo Voigt findet vor lauter Metallzaun Leipziger NPD-Zentrum nicht?

Am 25. Juni in<br />
der Odermannstraße: Alle warten auf Udo Voigt(NPD) Foto: Patrick Limbach
Am 25. Juni in der Odermannstraße: Alle warten auf Udo Voigt(NPD) Foto: Patrick Limbach

Sie kamen wie aus dem Nichts. Etwa 60 Personen samt Transparent blockierten am Freitag ab 17:40 Uhr in Leipzig-Lindenau die Kreuzung Lützner Straße / Odermannstraße, um fußballspielend gegen eine Veranstaltung mit dem NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt zu protestieren.

Zu der fanden sich bis zum geplanten Beginn um 18:30 Uhr rund 50 Besucher im NPD-Zentrum in der Odermannstraße 8 ein. Unter ihnen befanden sich mehrere regionale und lokale Funktionäre der rechtsradikalen Partei. Winfried Petzold, Landtagsabgeordneter und Ehrenvorsitzende des sächsischen Landesverbands, war ebenso zugegen wie der Leipziger Stadtrat Klaus Ufer oder der Parthensteiner Stadtrat Peter Köppe, der zuletzt die mittlerweile geschlossene „Gedächtnisstätte“ in Borna leitete.

Wenngleich die Leipziger NPD ihre Veranstaltung öffentlich auf ihrer Homepage bewarb, schienen die sich eingetroffenen Gäste, die das Treiben auf der rund 100 Meter entfernten Straßenkreuzung interessiert vom Gehweg aus beobachteten, nicht über das unerwartete öffentliche Interesse und die anwesenden Medienvertreter zu freuen. Nach einigen Rangeleien mit der Presse griff die Leipziger Polizei denn auch ein. Hinzugezogene Bereitschaftspolizisten sicherten ab da das NPD-Zentrum ab, während Streifenpolizisten den Kontakt zu den Gegenprotestlern suchten.

Als diese um 18:30 Uhr ihren Heimweg antraten, war der Hauptgast des Abends immer noch nicht am Veranstaltungsort eingetroffen. Dafür radelte die am gestrigen Freitag ebenfalls stattfindende Critical Mass am Gelände vorbei. Eine wohl nicht ganz zufällige Streckenwahl und stilles Zeichen gegen das NPD-Zentrum in Leipzig-Lindenau.

Während sich die Gegendemonstranten zu einem kurzen Fußballspiel trafen, um anschließend auch zu warten<br />
Foto: Patrick Limbach
Während sich die Gegendemonstranten zu einem kurzen Fußballspiel trafen, um anschließend auch zu warten Foto: Patrick Limbach

Udo Voigt fuhr bereits gegen 17:50 Uhr in einem silbernen Mercedes mit Berliner Kennzeichen vor. Da zu diesem Zeitpunkt niemand vor dem Eingangstor wartete, die Auffahrt zum NPD-Grundstück verschlossen war und der Parteivorsitzende sein Fahrzeug offenbar nicht kurzzeitig verlassen wollte, fuhr er weiter und fuhr an der Gegenkundgebung vorbei auf die Lützner Straße in Richtung Grünau.

Möglicherweise war Voigt irritiert, da das NPD-Grundstück von außen den Anschein einer verlassenen Baulücke erweckt. Die angesichts von Voigts eigentümlichen Verhalten völlig verdutzten Neonazi-Gegner machten keinerlei Anstalten, den Bundesvorsitzenden an seiner Weiterfahrt zu hindern.

Was immer Voigt zur Weiterfahrt bewogen haben mag – die Suche nach einer Parklücke war es jedenfalls nicht. Direkt vor dem „nationalen Zentrum“ wäre genug Platz für sein Auto gewesen. Möglicherweise möchte die Leipziger NPD von Ortsfremden aber auch gar nicht gefunden werden. Die metallene Hausnummer, die letzten Sommer noch die Eingangstür zierte, haben die Kameraden inzwischen wieder abmontiert. Die Kommunikation zwischen Voigt und Veranstaltern schien auch nicht reibungslos vonstatten gegangen zu sein.

Während Udo Voigts Pkw kurz vor- und dann wieder abfuhr<br />
Foto: Patrick Limbach
Während Udo Voigts Pkw kurz vor- und dann wieder abfuhr Foto: Patrick Limbach

Der ranghohe NPD-Funktionär ließ seine Anhänger, die ihn samt Auto sicher gerne auf ihr Grundstück gelassen hätten, jedenfalls lange Zeit warten. Die Veranstaltung konnte wegen seiner mutmaßlichen Irrfahrt erst verspätet beginnen.

Obwohl sich die Gegendemonstranten nach kurzer Zeit von der Kreuzung auf die Gehwege verzogen hatten, konnten sich nicht alle Lindenauer mit dem friedlichen Protest anfreunden. Zwei Junge Männer beschimpften die Teilnehmer. Einer warf eine Bierflasche in Richtung Protestler. Juliane Nagel (Die Linke) bewertet die Aktion dennoch als Erfolg: „Es ist wichtig, dass wir da waren. Wenn Nazis ihre menschenverachtende Ideologie verbreiten, ist zivilgesellschaftlicher Protest unabdingbar.“

... nun wartete man auf Seiten der NPD-Anhänger halt weiter.<br />
Foto: Patrick Limbach
… nun wartete man auf Seiten der NPD-Anhänger halt weiter. Foto: Patrick Limbach

Aus diesem Grund kritisiert die Stadträtin, die sich am Protest beteiligte, das Verhalten der Stadtverwaltung: „Wenn diese Kenntnis von Veranstaltungen in der Odermannstraße 8 hat, ist die Information an AnwohnerInnen und im Stadtteil aktive Vereine das Minimum. Diese könnten dann zumindest für ihre eigene Sicherheit sorgen, andererseits wäre die Möglichkeit des zivilgesellschaftlichen Protestes gegen die Verbreitung von menschenverachtenden Ideologien möglich.“

Der Voigt-Vortrag soll nicht die einzige Veranstaltung in der Odermannstraße an diesem Wochenende gewesen sein. Seit heute Nachmittag 15 Uhr ist bei der Leipziger NPD der Publizist und mecklenburgische NPD-Funktionär Rüdiger Klasen zu Gast.

Wenn er den Eingang gefunden hat.