Leipziger NPD-Funktionäre besorgen sich Waffen

dokumentiert wird ein Artikel der Kampagne „Fence Off“:

‚“Wir lassen uns vom politischen Gegner nicht die Wahl der Waffen vorschreiben” – das sagt die Leipziger NPD zur gelungenen Antifa-Demo gegen ihr Lindenauer “Bürgerbüro”. Tatsächlich aber hat die NPD längst ihre Waffen gewählt: Im Falle des Kreisvorsitzenden Helmut Herrmann und des Landtagsabgeordneten Winfried Petzold, der das “Nationale Zentrum” in der Odermannstraße 8 betreibt, handelt es sich um scharfe Pistolen und ein Kleinkalibergewehr.

Der Antifa-Newsflyer GAMMA hatte gestern aufgedeckt, wie die NPD-Funktionäre ganz unbürokratisch – und womöglich illegal – an Schusswaffen gelangt sind. Das geht aus einer “geleakten” E-Mail des NPD-nahen Kreistagsmitglieds Gerd Fritzsche aus Borsdorf hevor, die vom GAMMA im Volltext veröffentlicht worden ist.

Fritzsche berichtet darin über “gemeinsame Schießübungen im Reservistenverband der Bundeswehr in Leipzig”, die man “jahrelang” im Schützenhof Leipzig (Hans-Driesch-Straße) abgehalten habe. Und dann kommts:

“Dank meiner Hilfe haben Herrmann, Petzold und seine Frau auch Waffenbesitzkarten und entsprechende Waffen (Pistolen und Gewehre) durch den Reservistenverband der Bundeswehr in Leipzig erhalten.”

Nach geltendem Waffengesetz ist das heikel: Wer eine Schusswaffe besitzen will, kommt im Normalfall an einem regulären Schützenverein sowie einer Sachkundeprüfung nicht vorbei und darf außerdem nicht (wie beispielsweise Herrmann) vorbestraft sein. Nur dann geben Kreis- und Stadtverwaltungen, etwa das Ordnungsamt, so genannte Waffenbesitzkarten aus, die den Besitz scharfer Waffen erlauben.

Nicht ganz so schwierig war das für Herrmann und Petzold: Beide sind Mitglieder der “Reservistenkameradschaft Leipzig-Leutzsch” geworden, einem Ableger des Reservistenverbandes der Bundeswehr. Laut Ordnungsamt genügt bereits eine Mitgliedschaft “als Zertifikat der Zuverlässigkeit”. Die Waffenbesitzkarten wurden den Nazis umstandslos ausgegeben.

Dass es sich bei den betreffenden Personen um hohe Funktionäre der NPD handelt, will niemand gewusst haben. Und so hat ausgerechnet ein Verband, der die widerlichen Tradtitionen des deutschen Militarismus repräsentiert, sächsischen Neonazis die Waffenkammern geöffnet.‘

Fence Off Artikel samt Pressespiegel zum Thema.